50 Jahre Kolping-Bildungswerk – Happy Birthday

Wolfgang Gelhard, Geschäftsführer des Kolping-Bildungswerkes Paderborn Sehr geehrte Damen und Herren,

1967 war ein ereignisreiches Jahr, ein Jahr für die Geschichtsbücher. Kurt Georg Kiesinger ist damals Bundeskanzler, Heinrich Lübke Bundespräsident. Es ist das Jahr, in dem Konrad Adenauer stirbt. In Vietnam herrscht immer noch Krieg, Benno Ohnesorg wird erschossen, eine Jugendbewegung formiert sich. Die 40-Stunden-Woche wird eingeführt. Stones, Beatles, Kinks und Bee Gees landen in Deutschland Nummer 1-Hits und Eintracht Braunschweig wird Deutscher Meister. Im November wird das Kolping-Bildungswerk Paderborn gegründet - und schreibt in 50 Jahren seine eigene Geschichte...

Die Gründung unseres Kolping-Bildungswerkes ist für die BRD historisch gesehen – zumindest aus globaler Perspektive – allenfalls eine Fußnote. Was sich jedoch im Laufe der Zeit bis heute entwickelt hat, ist von seiner Bedeutung auch überregional nicht zu unterschätzen. Im Laufe unserer Firmengeschichte – Details können Sie dem Zeitstrahl zur Unternehmensentwicklung auf dieser Jubiläumshomepage entnehmen – haben wir Projekte, Maßnahmen und Angebote initiiert, die eine Strahlkraft über die Grenzen unseres Erzbistums hinaus entwickelt haben. Heute sind wir fest in der deutschen Weiterbildungslandschaft verankert. „Kolping“ ist eine Marke geworden, die für Kompetenz und Qualität steht. Aber diese Marke musste sich entwickeln. Ohne Geschichte, ohne Tradition, ohne Ursprung und ohne Wurzel agiert man luftleer. Darum sind uns – bei allen Paradigmenwechseln, die uns im Laufe unserer Historie abverlangt worden sind – die Anfänge so wichtig. Die Gründung des ersten Berufsförderungszentrums in Witten 1967 und die Arbeit, die wir dort gemacht haben, prägen uns bis heute.     

Dabei fällt die Gründung unseres Bildungswerkes in eine gesellschaftlich sehr unruhige Zeit, ein Umbruch ist in vollem Gange. Die 1960er Jahre stehen wohl wie kein anderes Jahrzehnt der Nachkriegszeit für gesellschaftlichen Wandel. Davon bleibt auch das Bildungswesen nicht unberührt, im Gegenteil: in die Zeit der Veränderungen mischt sich als ein Puzzleteil die Phase Bildungsexpansion. Maßgeblich daran beteiligt ist der deutsche Pädagoge Georg Picht, der 1964 die berühmt gewordene „deutsche Bildungskatastrophe“ ausruft. Picht und mit ihm Ralf Dahrendorf, der mit seiner Schrift „Bildung ist Bürgerrecht“ ebenfalls in einer breiten Öffentlichkeit Gehör findet, sehen durch zu geringe Bildungsausgaben die noch junge deutsche Demokratie gefährdet. In der Folgezeit steigen die Investitionen in Bildung und wichtige intellektuelle Meilensteine der Bildungsgeschichte wie der Strukturplan für das deutsche Bildungs- und Erziehungswesen von 1970 werden geboren.

Wir haben 50 Jahre Bildungsgeschichte mitgestaltet. Wir sind förmlich mit den Entwicklungen der Zeit gewachsen, qualitativ und quantitativ. Wir haben Erfolge gefeiert und Krisen erlebt. Beides hat uns immer wieder besser werden lassen. Wir waren mal glücklich, mal unglücklich über Reformen und politische Paradigmenwechsel. Es gab ruhige und unruhige Zeiten. So wird es auch in Zukunft sein. Wir sind vorbereitet. Herzlichen Glückwünsch, Kolping-Bildungswerk Paderborn!